Wie Postleitzahlen funktionieren
Eine Postleitzahl ist kein Ort. Sie ist ein Sortierschlüssel, den die Post 1964 einführte, um Briefe schneller durchs Land zu bringen — und alles, was danach kam, folgt aus diesem einen Zweck. Wer das weiss, versteht auch, warum eine PLZ so oft quer zu Gemeindegrenzen liegt.
Was die vier Ziffern bedeuten
Die vier Stellen wurden nie zufällig vergeben, sondern von aussen nach innen gelesen:
- Die erste Ziffer bezeichnet eine grosse Leitregion.
- Die zweite grenzt innerhalb dieser Region weiter ein.
- Die dritte stand ursprünglich für die Bahnroute, auf der die Sendung reiste. Diese Bedeutung ist längst verschwunden; die Ziffer blieb.
- Die vierte bezeichnet den konkreten Zustellpunkt.
Die dritte Ziffer ist das Interessanteste daran: Sie ist ein Überbleibsel einer Logistik, die es so nicht mehr gibt. Das System trägt seine eigene Geschichte mit sich.
Von 1000 bis 9658
Die Nummerierung läuft geografisch von West nach Ost. Die tiefste vergebene Postleitzahl ist 1000 Lausanne, die höchste 9658 Wildhaus. Wer die erste Ziffer einer Schweizer PLZ kennt, weiss deshalb grob, in welchem Landesteil er sich befindet — eine 1 führt in die Romandie, eine 9 in die Ostschweiz.
Insgesamt sind heute 3'190 Postleitzahlen in Gebrauch.
Warum eine PLZ keine Grenze ist
Hier liegt der eigentliche Punkt. Postleitzahlen folgen Zustellrouten, nicht politischen Grenzen. Ein Pöstler fährt eine Runde, die dort endet, wo es praktisch ist — nicht dort, wo eine Gemeinde aufhört.
Die Folge ist messbar: 1'223 der Postleitzahlen decken mehr als eine Gemeinde ab, also 38.3% aller Codes. Umgekehrt haben viele Gemeinden mehrere Postleitzahlen. Eine PLZ ist deshalb nie ein zuverlässiger Ersatz für eine Gemeindeangabe — das Thema von warum eine Postleitzahl keine Gemeinde ist.
Die Sonderfälle, die das System erklären
Ausnahmen zeigen oft besser, wie etwas funktioniert, als die Regel:
- Kefikon liegt auf zwei Kantonen und trägt zwei Codes: 8543 Kefikon ZH und 8546 Kefikon TG. Derselbe Ortsname, zwei Postleitzahlen, weil die Kantonsgrenze mitten hindurchgeht.
- La Cibourg treibt es weiter: Der Weiler verteilt sich auf mehrere Gemeinden und zwei Kantone und erscheint unter drei Postleitzahlen — 2300, 2333 und 2616.
- Das Jungfraujoch hat mit 3801 eine eigene Postleitzahl, obwohl dort fast niemand wohnt. Für die Post zählt nicht die Einwohnerzahl, sondern ob eine Zustellung stattfindet.
- 3823 deckt gleich mehrere Hochgebirgspunkte ab, darunter Eigergletscher und Kleine Scheidegg — ein Code, der eine Bahnlinie abbildet statt einer Siedlung.
Postleitzahlen ändern sich
Das System ist nicht eingefroren. Gemeinden und Kantone können bei der Post neue Codes beantragen, und besonders häufig geschieht das nach Gemeindefusionen, wenn mehrere Gemeinden mit je eigener PLZ zu einer werden.
Genau deshalb taugt eine Postleitzahl nicht als dauerhafter Bezeichner. Wer eine Gemeinde über die Jahre eindeutig identifizieren will, braucht die BFS-Nummer — die bleibt, auch wenn Name und Postleitzahl wechseln.