Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge
Stimmengewichtetes Resultat über 2'116 Gemeinden
Wollen Sie den Bundesbeschluss vom 20. Dezember 2019 über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge annehmen?
Ausgangslage
Die Schweiz überwacht, schützt und verteidigt ihren Luftraum mit Kampfflugzeugen. Die bestehenden Kampfflugzeuge sind in die Jahre gekommen oder bereits veraltet. Sie müssen um das Jahr 2030 herum ausser Betrieb genommen werden. Bundesrat und Parlament sind der Auffassung, dass es auch in Zukunft Kampfflugzeuge braucht, um die Menschen in der Schweiz vor Bedrohungen aus der Luft zu schützen.
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Die Vorlage
Die Vorlage von Bundesrat und Parlament sieht vor, dass die Schweiz bis 2030 neue Kampfflugzeuge beschafft. Dafür sind höchstens 6 Milliarden Franken vorgesehen. Der Flugzeughersteller, der den Zuschlag erhält, muss für 60 Prozent des Kaufpreises Aufträge an Unternehmen in der Schweiz vergeben. Die Aufträge werden auf die Sprachregionen verteilt. Gegen den Bundesbeschluss wurde das Referendum ergriffen. Darum entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger darüber, ob neue Kampfflugzeuge beschafft werden. Falls das Volk Ja sagt, entscheidet der Bundesrat über den Typ und die Anzahl Flugzeuge. Er unterbreitet seinen Entscheid dem Parlament zur Genehmigung.
Quelle: Erläuterungen des Bundesrates (Bundeskanzlei), Kapitel «In Kürze» · Offizielle Seite
Resultat nach Gemeinde
Ja-Anteil pro GemeindeStärkstes Ja
BFSResultat nach Gemeinde
Top 10Resultat nach Bezirk
Ja-Anteil pro Bezirk — die von BFS publizierten Bezirkszahlen; Kantone ohne Bezirke bleiben neutralResultat nach Bezirk
Bezirksresultate, wie vom BFS publiziert — Top 10 Ja / Top 10 Nein| # | Bezirk | Ja-Anteil | Kanton |
|---|---|---|---|
| 1 | Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen | 69.6% | BE |
| 2 | Bezirk Raron | 66.3% | VS |
| 3 | Bezirk Visp | 65.3% | VS |
| 4 | Bezirk Brig | 65.1% | VS |
| 5 | Bezirk Goms | 65.0% | VS |
| 6 | Bezirk Schwyz | 64.5% | SZ |
| 7 | Bezirk Einsiedeln | 63.8% | SZ |
| 8 | Bezirk Kulm | 63.6% | AG |
| 9 | Bezirk Thal | 63.1% | SO |
| 10 | Bezirk Höfe | 63.0% | SZ |
| # | Kanton | Ja-Anteil | Beteiligung | Gemeinden |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Nidwalden | 65.7% | 65.6% | 11 |
| 2 | Schwyz | 62.7% | 64.1% | 30 |
| 3 | Obwalden | 62.3% | 68.4% | 7 |
| 4 | Uri | 62.0% | 63.0% | 19 |
| 5 | Glarus | 60.3% | 55.0% | 3 |
| 6 | Zug | 59.9% | 65.4% | 11 |
| 7 | Appenzell Innerrhoden | 57.5% | 58.4% | 5 |
| 8 | Aargau | 56.9% | 58.7% | 196 |
| 9 | Thurgau | 55.6% | 60.3% | 80 |
| 10 | Luzern | 54.9% | 63.6% | 79 |
| 11 | Solothurn | 53.8% | 59.2% | 104 |
| 12 | St. Gallen | 53.3% | 61.7% | 75 |
| 13 | Graubünden | 53.0% | 64.0% | 100 |
| 14 | Wallis | 52.0% | 70.1% | 122 |
| 15 | Appenzell Ausserrhoden | 51.7% | 65.1% | 20 |
| 16 | Bern | 51.5% | 60.8% | 328 |
| 17 | Schaffhausen | 51.2% | 74.1% | 26 |
| 18 | Zürich | 50.3% | 62.4% | 160 |
| 19 | Basel-Landschaft | 49.7% | 59.3% | 86 |
| 20 | Tessin | 47.1% | 62.8% | 100 |
| 21 | Freiburg | 45.7% | 61.9% | 119 |
| 22 | Waadt | 41.1% | 64.7% | 300 |
| 23 | Neuenburg | 38.4% | 58.3% | 24 |
| 24 | Genf | 37.2% | 61.8% | 45 |
| 25 | Basel-Stadt | 36.7% | 66.4% | 3 |
| 26 | Jura | 31.6% | 61.7% | 51 |
Standpunkte
Empfehlungen gemäss ErläuterungenEmpfehlung von Bundesrat und Parlament
EmpfehlungJa
Bundesrat und Parlament wollen die Menschen in der Schweiz weiterhin vor Bedrohungen aus der Luft schützen. Dazu braucht es neue Kampfflugzeuge, da die jetzige Flotte um 2030 ausser Betrieb genommen werden muss. Die neuen Flugzeuge sind nötig für die langfristige Sicherheit der Schweiz und stärken unsere Neutralität.
Alle Argumente beider Seiten im Wortlaut: Erläuterungen des Bundesrates
Quelle: Erläuterungen des Bundesrates (Bundeskanzlei), Kapitel «In Kürze»
Empfehlung des Referendumskomitees
EmpfehlungNein
Nach Ansicht des Referendumskomitees gibt der Bundesbeschluss Bundesrat und Parlament eine Blankovollmacht, überflüssige Luxus-Kampfjets zum Preis von 6 Milliarden Franken zu kaufen. Das Geld werde dafür im Gesundheits wesen, im Katastrophenschutz oder bei der Bekämpfung des Klimawandels fehlen.
Alle Argumente beider Seiten im Wortlaut: Erläuterungen des Bundesrates
Quelle: Erläuterungen des Bundesrates (Bundeskanzlei), Kapitel «In Kürze»
Abstimmung im Parlament
| Ja | Nein | Enthaltungen | |
|---|---|---|---|
| Nationalrat | 123 | 68 | 5 |
| Ständerat | 33 | 10 | 1 |
Quelle: Erläuterungen des Bundesrates (Bundeskanzlei), Kapitel «In Kürze». Wie in den Erläuterungen angegeben; weichen deren Sprachfassungen voneinander ab, gilt die Angabe, die mindestens zwei Sprachfassungen teilen.
Die Standpunkte sind die Kurzfassungen aus den offiziellen Erläuterungen des Bundesrates, wörtlich übernommen und von dieser Website weder gekürzt noch gewertet. Die vollständigen Argumente beider Seiten stehen in den verlinkten Erläuterungen.
Sicherheitspolitische Lage
Die Welt und damit das Umfeld der Schweiz sind in den letzten Jahren unsicherer geworden. [1] Global, aber auch an den Rändern Europas, haben die internationalen Spannungen ebenso zugenommen wie der Einsatz militärischer Gewalt. Ausdruck davon sind weltweit wieder steigende Rüstungsausgaben. [2] Auch die Gefahr terroristischer Angriffe ist weiterhin vorhanden. Die langfristigen Aussichten sind ungewiss. Nach Ansicht von Bundesrat und Parlament haben die letzten Jahre gezeigt, dass für die Sicherheit der Schweiz der Schutz des Luftraums weiterhin wichtig ist.
Aufgaben von Kampfflugzeugen: Luftpolizeidienst
Die Armee setzt Kampfflugzeuge tagtäglich für den Luftpolizeidienst ein. Sie sorgt dafür, dass sich alle an die Luftverkehrsregeln halten, und hilft Flugzeugen, die in Not geraten sind. Sie interveniert, wenn ein Flugzeug den Schweizer Luftraum ohne Erlaubnis benutzt. Kampfflugzeuge können ein solches Flugzeug beispielsweise zur Landung auffordern und zu einem Flugplatz begleiten. Zudem schützen Kampfflugzeuge Grossveranstaltungen wie das Jahrestreffen des World Economic Forum (WEF) in Davos und internationale Konferenzen – etwa am UNO-Sitz in Genf.
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Terrorbedrohung und internationale Spannungen
Bei einer anhaltenden Terrorbedrohung hat die Armee die Aufgabe, den Luftraum über längere Zeit intensiver zu kontrollieren. Kampfflugzeuge können beispielsweise dann intervenieren, wenn Terroranschläge mit entführten Linienflugzeugen oder mit Kleinflugzeugen drohen. Wenn es im Umfeld der Schweiz zu Spannungen zwischen Staaten kommt, müssen Kampfflugzeuge den Luftraum kontrollieren und dafür sorgen, dass keine unbefugten ausländischen Militärflugzeuge über die Schweiz fliegen.
[1] Jährliche Beurteilung der Bedrohungslage: Bericht des Bundesrates vom 29. April 2020 an die eidgenössischen Räte und die Öffentlichkeit; BBI 2020 4295 (admin.ch > Bundesrecht > Bundesblatt); Aussenpolitischer Bericht des Bundesrates 2019 vom 29. Jan. 2020; BBI 2020 1565 (admin.ch > Bundesrecht > Bundesblatt); Bericht des Bundesrates über die Sicherheitspolitik der Schweiz vom 24. Aug. 2016; BBI 2016 7763 (admin.ch > Bundesrecht > Bundesblatt).
[2] Jahrbuch 2019 des Stockholmer Instituts für internationale Friedensforschung (SIPRI).
Bewaffneter Konflikt
Wenn die Schweiz angegriffen wird, setzt die Armee Kampfflugzeuge ein, um den Luftraum zu verteidigen. Dies geschieht zusammen mit der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv), die koordiniert mit der Flugzeugbeschaffung erneuert werden soll. [3] Mit Kampfflugzeugen werden zudem Aufklärungsflüge durchgeführt und Einsätze gegen feindliche Ziele am Boden geflogen. Ohne Schutz des Luftraums kann die Armee ihre Truppen auch am Boden nicht wirksam einsetzen.
Bestehende Flotte
Die Schweizer Luftwaffe verfügt heute über zwei Typen von Kampfflugzeugen: Die 26 F-5 Tiger sind rund 40-jährig. Sie dienen nur noch Ausbildungszwecken. Die 30 F/A-18 wurden in den 1990er-Jahren eingeführt. Sie können heute noch für alle Aufgaben eingesetzt werden, doch ihr Unterhalt wird immer aufwendiger. Je älter sie werden, desto weniger könnten sie mit Aussicht auf Erfolg gegen moderne Kampfflugzeuge eingesetzt werden. Um das Jahr 2030 herum kommen die F/A-18 an ihr Nutzungsende; [4] sie müssen dann ausser Betrieb genommen werden. Die neuen Kampfflugzeuge sollen deshalb die gesamte bestehende Flotte ab 2030 ersetzen.
[3] Der Bundesbeschluss vom 20. Dez. 2019 über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge sieht vor, dass der Kauf neuer Kampfflugzeuge mit der parallel laufenden Beschaffung eines Systems der bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite (Bodluv) zeitlich und technisch koordiniert wird. Diese zweite Beschaffung ist aber nicht Gegenstand der Abstimmung.
[4] Armeebotschaft 2017 vom 22. Febr. 2017; BBl 2017 2761 (admin.ch > Bundesrecht > Bundesblatt).
Finanzierung
Der Bundesbeschluss, über den wir abstimmen, sieht vor, dass der Bund für die Beschaffung der neuen Kampfflugzeuge höchstens 6 Milliarden Franken ausgeben darf. [5] Die Ausgaben für den späteren Betrieb werden sich in ähnlichem Rahmen bewegen wie für die vorhandenen Kampfflugzeuge. Die Armee finanziert den Kauf und den Betrieb der Flugzeuge mit Geld aus ihrem ordentlichen Budget. Der Bundesrat will das Armeebudget in den kommenden Jahren um jeweils rund 1,4 Prozent erhöhen. Dies entspricht in etwa dem durchschnittlichen Wachstum der übrigen Bundesausgaben und erlaubt eine Erneuerung auch anderer Bereiche der Armee.
[5] Dem Betrag liegt der Stand des Landesindexes der Konsumentenpreise vom Jan. 2018 zu Grunde. Je nach Teuerung kann er leicht ansteigen oder sinken.
Kompensationsgeschäfte
Der Hersteller, der die neuen Kampfflugzeuge liefern wird, muss für 60 Prozent des Kaufpreises Aufträge in der Schweiz vergeben – davon 65 Prozent in der Deutschschweiz, 30 Prozent in der Westschweiz und 5 Prozent in der italienischsprachigen Schweiz. Der Bundesrat stellt sicher, dass dieser Verteilschlüssel so weit wie möglich eingehalten wird. Diese sogenannten Kompensationsgeschäfte (auch Offsets genannt) haben zum Ziel, die Schweizer Industrie zu stärken, beispielsweise indem sie ihr Zugang zu Spitzentechnologien eröffnen.
Grundsatzentscheid und Beschaffung
Das Volk stimmt über einen sogenannten Planungsbeschluss ab.Das heisst, anders als bei der Abstimmung über den Gripen 2014 gibt es nur den Rahmen vor, insbesondere die finanzielle Obergrenze von 6 Milliarden Franken. Sagen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Ja zum Planungsbeschluss, entscheidet der Bundesrat anschliessend über den Typ und die Anzahl der Flugzeuge. Er unterbreitet seinen Entscheid dem Parlament zur Genehmigung.Da eine solche Beschaffung von der Evaluation bis zur Auslieferung der Flugzeuge rund zehn Jahre dauert, könnten die neuen Flugzeuge um 2030 herum zum Einsatz kommen (siehe Grafik zur geplanten Nutzungsdauer).
[6] Luftverteidigung der Zukunft – Bericht der Expertengruppe Neues Kampfflugzeug (2017) (vbs.admin.ch > Verteidigung > Air2030 – Schutz des Luftraumes)
Quelle: Erläuterungen des Bundesrates (Bundeskanzlei), Kapitel «Im Detail»
- Wie lautete das Resultat der Abstimmung «Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge»?
- Am 27.09.2020 wurde «Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge» mit 1'605'839 Ja gegen 1'597'324 Nein angenommen. Die Stimmbeteiligung betrug 62.3%.
- Wie stimmten die Kantone über «Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge» ab?
- Das stärkste Ja kam aus Nidwalden (65.7%), das stärkste Nein aus Jura (31.6%).
- Wurde «Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge» angenommen?
- «Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge» wurde am 27.09.2020 landesweit angenommen.